GRÜNE unterstützen Hamburgs Olympia-Bewerbung

Am haben alle niedersächsischen Landtagsfraktionen beschlossen: Wir unterstützen Hamburgs Olympia-Bewerbung. Anja Piel erläutert:

Wir GRÜNE können uns für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs begeistern, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Und der sportpolitische Sprecher Belit Onay ergänzt: Das heißt konkret: umwelt- und stadtverträgliche, innovative und nachhaltige Spiele mit einer möglichst großen Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Meinung: Wie hilft das Winsen?

von Eike Harden
Es ist bezeichnend für die Schwierigkeiten, die der Föderalismus (die „Kleinstaaterei“) Deutschland bereiten kann, dass Niedersachsens Landtag einen Beschluss zur Hamburger Olympia-Bewerbung fassen musste – ungefähr ein Jahr, nachdem die Hamburger Bürgerschaft die Bewerbung beschlossen hat. Bei den Konkurrenten ist die Unterstützung des unmittelbaren Umlands von vornherein gesichert: Roms Bewerbung ist eine Bewerbung der Provinz Lazio, Bostons eine von Massachusetts. Im Landkreis Harburg sehen manche noch immer ein Problem darin, wenn Bürger, die in Hamburg arbeiten, gelegentlich dort auch Besorgungen des Grundbedarfs erledigen, wie z. B. Gemüse einkaufen.
Ich möchte aber lieber auf die Chancen sehen als auf die Probleme und Risiken. Dazu bietet sich ein Vergleich mit Boston und seiner Metropolregion an. Wie steht es dort mit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Sportpolitik? Wie ist es um die Nachhaltigkeit der Sportstättennutzung bestellt? Wie innovativ und nachhaltig ist die Metropolregion als Ganzes und was ist mit dem Öffentlichen Personennahverkehr? Wie gut kann man in Boston Rad fahren und zu Fuß gehen (das sind ja die sportlichen Varianten des Straßenverkehrs)?

Eine Top-Sport-Stadt

Eine Auswertung einer amerikanischen Zeitschrift hat ergeben, dass Boston zu den 5 attraktivsten Sport-Städten in den USA gehört. Sport spielt im Alltag eine große Rolle und oft gehen sogar hunderte Zuschauer zu Spielen von erfolglosen Amateurmannschaften, unterhalten sich in der Kneipe darüber und können sogar in Radiosendungen Live-Berichte davon verfolgen. Die Journalisten werteten außerdem aus, wie viele Besucher zu Profi-Sportveranstaltungen gehen, aber auch eher Abseitiges wie die Dichte der Sportkneipen: In manchen Städten gibt es sogar 20 Sportkneipen auf 100000 Einwohner.
Auf Winsen umgerechnet wären das 7 Sportkneipen in unserer Stadt. Böse Zungen könnten behaupten, es gäbe nicht einmal 7 Kneipen hier, aber das ist ungerecht: Die örtliche Gastronomie ist zum Teil gut auf Gäste eingerichtet, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Das sind Anfänge einer Unterstützung des umweltfreundlichen Breitensports. Sicherlich wären sie dankbar, wenn Winsen konsequent solche Ansätze unterstützte und das Angebot ausbaute: Wirtschaftsförderung einmal anders.

Ohne Auto zum Sport – Bio-Snacks beim Sport

Der Journalist Reuben Fischer-Baum hat sich durch den statistischen Dschungel des Öffentlichen Personennahverkehrs gekämpft und konnte am Ende feststellen, dass Boston zum oberen Drittel der meistgenutzten Bus- und Bahnsysteme in den USA gehört – obwohl es zugleich ein Paradies für Radfahrer und Fußgänger ist.
Geradezu kurios klingen aber die Vorschläge von Bürgermeister Menino: Bostons Baseball-Stadion soll von Solarzellen, das Rathaus gar von einem 150m hohen Windrad auf dem Rathausplatz mit Energie versorgt werden. Die bedeutendste Messe der Stadt stellt umweltfreundliche Transportmittel aus und die Sportfans sollen in Zukunft statt Hot Dogs und Donuts lokal angebautes Bio-Gemüse im Stadion kaufen können. Man stelle sich das einmal vor: als würde Winsener Bio-Grünkohl bei HSV-Heimspielen verkauft.

Paradies für Radfahrer und Fußgänger

Die amerikanische Bike League entspricht in etwa unserem ADFC. Sie vergibt Plaketten in Bronze, Silber, Gold, Platin und Diamant für fahrradfreundliche Kommunen, Unternehmen, Universitäten und Bundesstaaten. Aktuell erreicht keine Kommune den höchsten, den Diamant-Standard. Boston erreicht Silber und die benachbarte Universitätsstadt Cambridge sogar Gold. Winsen würde vermutlich schon an Bronze scheitern, weil die Stadt z. B. mindestens eine halbe Stelle in der Verwaltung nur für die Verbesserung des Radverkehrs aufweisen müsste oder eine als „gut“ eingestufte Schnittstelle von Fahrrad und Bahn. Das letztere könnte man ändern, wenn man ein vernünftiges Fahrradparkhaus am Bahnhof baute.
Noch interessanter wird es schließlich, wenn man sich ansieht, wo in den USA man am besten zu Fuß gehen kann: Cambridge gewinnt und Boston wird 5. (Untersuchung der Zeitschrift „Prevention“). Das ist so, weil die Städte politisch etwas für Fußgänger tun, z. B. Fußgänger-Schnitzeljagden veranstalten, aber auch Touristen zu Fuß durch die Stadt schicken oder durch geschickte Planung dafür sorgen, dass alltägliche Besorgungen zu Fuß ganz in der Nähe erledigt werden können. Das ergänzt sich hervorragend mit einem guten Öffentlichen Personennahverkehr.

GRÜNE Olympia-Begeisterung

Es gibt also viele Ideen, wie man eine Stadt innovativ nachhaltiger machen könnte – das meiste davon sogar ganz ohne Olympia. Aber wenn Hamburg und die Metropolregion in einen Konkurrenzkampf mit Boston um die nachhaltigeren Spiele eintreten müsste, würde sich hier Einiges tun. Wenn es denn so ist, dass Olympia (und nur Olympia) die Politiker der anderen Parteien dazu bringen kann, auch umwelt- und stadtverträgliche Politik zu machen, die Situation für den Breitensport zu verbessern, sanften Tourismus zu fördern, Fußgänger und Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer zu sehen – wenn das so ist, dann kann ich nur sagen: Her mit Olympia.

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