Luhdorf: Tempo 30 jetzt!

Luhdorf: Tempo 30 jetzt

Darum gehts

Einladung

Am kommenden Donnerstag, den laden die GRÜNEN alle interessierten Bürger*innen zu einer Bürgerversammlung mit Susanne Menge ein, der verkehrspolitischen Sprecherin unserer Landtagsfraktion. Die Veranstaltung findet statt im Gasthaus Alpers in Luhdorf, Brümmelkamp 28.

Belastung durch Durchgangsverkehr

Seit Jahren belastet der Durchgangsverkehr – und hier vor allem der Schwerlastverkehr – die Anwohner*innen in Luhdorf, Pattensen und Scharmbeck. Ebenso lange wird über wirksame Maßnahmen zur Entlastung gestritten. Bisher ohne Ergebnis. Für viele Anwohner*innen ist das Leben an den Durchgangsstraßen unerträglich geworden und belastet jetzt schon ihre Gesundheit schwer.

Das Problem wird sich im kommenden Herbst noch einmal verschärfen, wenn die Firma Amazon im Gewerbegebiet Luhdorf ihren Betrieb aufnimmt. Dann werden Hunderte Lieferfahrzeuge und Schwerlaster pro Tag im 24-Stunden-Betrieb für zusätzliche Belastung sorgen.

Jetzt gegensteuern

Dagegen müssen wir jetzt etwas unternehmen. Hier kommt uns der Beschluss des Landtages vom „Schutz der Bevölkerung vor Lärm und Abgasen“ (Landtagsdrucksache: 17/5285) zur Hilfe.

Danach kann im Rahmen von Modellversuchen auch auf solchen Straßen Tempo 30 angeordnet werden, auf denen das bisher nach der StVO nicht zulässig war. Das trifft für die betroffenen Kreis- und Landstraßen in Luhdorf und Pattensen zu.

In der Bürgerversammlung in Luhdorf, zu der die GRÜNEN Winsen einladen, wird die Landtagsabgeordnete Susanne Menge dieses Modellvorhaben zur Verkehrsberuhigung vorstellen und mit den betroffenen Bürger*innen darüber diskutieren, ob es damit eine brauchbare Lösung zur Verkehrsentlastung in Luhdorf und Pattensen gibt, die schnell und wirksam greift.

Auf die schnelle Wirkung kommt es gerade auch wegen der drohenden Verkehrszunahme durch Amazon an. Deshalb kann für den Modellversuch Tempo 30 die Frage offen bleiben, ob es später einmal eine Ortsumfahrung Luhdorf–Pattensen geben wird oder nicht.

Hintergrund

Aus dem Antrag

Der Landtag fordert die Landesregierung auf,
1. niedersachsenweit im Rahmen eines Tempo-30-Modellversuchs verschiedene Projekte in verschiedenen Kommunen […] auch an innerörtlichen Bundes- und Landesstraßen zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen und erforderlichenfalls Ausnahmen gemäß § 46 StVO zu ermöglichen, […]
4. sich dafür einzusetzen, dass der Bund die Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm […] überarbeitet, um die Lärmschutzaspekte besser zu berücksichtigen einschließlich der Absenkung der derzeit geltenden Richtwerte, damit eine erleichterte Anordnung von Geschwindigkeitsbeschränkungen möglich wird, […]

Die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger wird durch Luftschadstoffe und Lärm geschädigt. Allein in Europa gehen nach Ermittlungen der WHO jährlich mehr als 1 Million gesunde Lebensjahre durch Lärm verloren. Straßenverkehr ist dabei eine wichtige Lärmquelle.

Geschwindigkeitsreduzierungen innerorts bieten eine Reihe von Vorteilen: Ein gleichmäßiger Fahrverlauf reduziert Verkehrslärm und erhöht die Luftqualität. Die Verkehrssicherheit wird verbessert. Insgesamt nehmen die Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie das verträgliche Miteinander der verschiedenen Straßennutzer zu. Gleichzeitig ergeben Studien, dass sich Reise- und Fahrtzeiten nur geringfügig verlängern. Niedrige Geschwindigkeiten tragen maßgeblich zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei und retten Menschenleben. […]
Eine Londoner Langzeitstudie hat die Effekte von 20-mph-Zonen (entspricht circa 32 km/h) auf die Verkehrssicherheit über 20 Jahre untersucht. Die Geschwindigkeitsreduzierung führte zu einem Rückgang der Verkehrsopfer um 41,9 % – besonders deutlich geschah dies bei Kindern sowie bei der Gruppe der tödlich und schwer verletzten Personen. Die Unfälle hätten sich nicht in angrenzende Straßen verlagert. Eine Vielzahl von internationalen Studien kommt zu ähnlichen Ergebnissen. […]
Geschwindigkeitsreduzierungen mit einer Verstetigung des Verkehrsflusses können auch für bessere Luft sorgen: Göttingen in Niedersachsen zählt zu den wenigen Kommunen in Deutschland, die einen Klimaplan entwickelt haben. Ziel des Klimaplans ist es, bis zum Jahr 2020 den Kohlendioxid-Ausstoß um 40 % zu senken. Dies soll vor allem durch die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs geschehen, der in Göttingen einen Anteil von 34 % einnimmt. Unter anderem wollen die Göttinger Abgase und Kohlendioxid reduzieren, indem sie im Modellversuch das Tempo auf ihren Straßen drosseln. […]
Die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h reduziert den Verkehrslärm spürbar: 50 Autos, die 50 km/h fahren, sind so laut wie 100 Autos mit 30 km/h.

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