Hand in Hand gegen Rassismus

von Eike Harden

Foto des Vorstandsmitglieds Eike Harden

Der war ziemlich kalt. Trotzdem hatten sich auf dem Winsener Schlossplatz erstaunlich viele Menschen eingefunden, die gemeinsam ein Zeichen gegen den Rassismus setzen wollten. Weil ich nicht einmal einen Notizzettel hätte festhalten können, habe ich nur eine sehr kurze Ansprache gehalten. Hier nun die

Rede, die ich an einem warmen Tag gehalten hätte

In der Einladung zu dieser Veranstaltung wurde auf brennende Wohnungen hingewiesen. Wenn Asylbewerberheime brennen, kommen sogar 2 Dinge zusammen, die ich strikt ablehne: Gewalt und Rassismus. Es ist eine großartige zivilisatorische Leistung, dass wir in Deutschland Konflikte fast immer ohne körperliche Gewalt beilegen. Das war nicht immer so, aber das muss so bleiben. Es passt damit übrigens nicht zusammen, dass Deutschland einer der größten Waffenexporteure der Welt ist. Das muss aufhören! Denn die Waffenlieferungen sind eine wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Anerkennung von Gewalttätern und Gewaltherrschern. Diese aber bescheren uns überhaupt erst viele Flüchtlinge.
Damit komme ich zum Thema „Rassismus“. Ich möchte nicht, dass Menschen als Flüchtlinge in Deutschland leben; vielmehr sollen Menschen hier leben, weil sie gerne hier leben wollen. Dann ist es mir persönlich völlig einerlei, wo ihre Vorfahren vor mehreren Jahrhunderten oder auch Jahrzehnten gelebt haben, welche Farbe ihre Haut hat oder in welcher Sprache ihre Mütter sie in den Schlaf gesungen haben. In unserer Gesellschaft darf niemand ausgegrenzt werden, weil er Eigenschaften hat, für die er nichts kann. Genau das haben Rassisten aber im Sinn: An Menschen Eigenschaften zu finden, die sie nicht ändern können, um sie dann ein für allemal ausgrenzen zu können. Dazu brauchen sie nicht einmal unbedingt die „Rasse“ heranzuziehen, heute ist die „Kultur“ ein genauso mächtiges Konstrukt des Rassismus, ein „Rassismus ohne Rasse“.
Wir müssen aufhorchen, wenn gesagt wird, eine ganze Gruppe von Menschen „passt nicht nach Deutschland“. Wer immer das sagt, möchte ausgrenzen. Er erfindet dann etwas, das als Beleg dafür dienen soll, dass diese Gruppe anders ist, und das irgendwelche negativen Folgen habe. Heute läuft das oft so, dass mancher argumentiert, „die islamische Kultur“ verlange, dass Frauen schlecht behandelt würden und weil der gemeine Muslim einfach so geprägt sei, könne er nichts daran ändern und müsse unter seinesgleichen bleiben. Der Unterschied zu der Argumentation, eine dunkle Hautpigmentierung führe wegen der schlechten Anpassung an das nordeuropäische Regenwetter dazu, dass afrikanische Seeleute dümmer seien als deutsche, und weil man das ja nicht verantworten könne, solle der Afrikaner gefälligst in Afrika bleiben – der Unterschied zwischen diesen beiden ist nur, dass die zweite Argumentation dem klassischen Bild vom Rassismus entspricht, die erste nicht. Struktur und Funktion sind aber völlig gleich. Was also tun? Wir müssen immer den einzelnen Menschen betrachten und ihn für das verantwortlich machen, was er oder sie durch seine Handlungen zu verantworten hat. Ein Beispiel dafür könnte sein, wieder jeden Asylantrag einzeln zu prüfen, denn er ist ein individuelles Recht jedes Einzelnen.
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch einmal auf die Krise eingehen, in die die Bundesregierung Deutschland manövriert hat. Für den Bürgerkrieg in Syrien kann Angela Merkel zwar nichts, aber schon die Tatsache, dass die Regierung nicht versucht hat, die Flüchtlinge zu erfassen und mit Flüchtlingsausweisen auszustatten, ist ein großes Versäumnis gewesen. Noch viel wichtiger sind aber die Maßnahmen zur Integration auf kommunaler Ebene. Für die fehlt Geld. Mehr Menschen in einer Gemeinde brauchen auch mehr Wohnraum. In den Ballungsgebieten sind Wohnungen knapp, daher muss hier kommunal und sozial neuer Wohnraum geschaffen werden, damit die Mieten und Kaufpreise nicht weiter durch die Decke gehen. In den Kitas und den Schulen sind mehr junge Leute, die ausgebildet werden müssen. Deshalb müssen gerade die Grundschulen mit zusätzlichen Kräften ausgestattet werden, was langfristig zusätzliche Lehrkräfte bedeutet, kurzfristig aber durch Schulsozialarbeiter abgefedert werden muss. Zudem erlauben Ganztagsschulen, Fortbildungen für die Eltern auf den Nachmittag zu legen, was die Integration vereinfachen dürfte. Junge Erwachsene brauchen Arbeit, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, aber auch in Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit immer noch skandalös hoch – vom Rest Europas ganz zu schweigen. Wir haben das einfach nur vergessen. Was gegen Jugendarbeitslosigkeit jedoch ganz bestimmt nicht hilft, sind weitere Förderungen für die Lagerwirtschaft (beschönigend „Logistik“ genannt), in der Osteuropäer zu osteuropäischen Mindestlöhnen damit beschäftigt werden, alle möglichen Produkte aus maschineller Großproduktion unglaublich weit zu transportieren. Etwas weniger große Produktionsanlagen für den regionalen Bedarf wären sicherlich immer noch profitabel, würden aber mehr und besser in der Fläche verteilte Arbeitsplätze anbieten. Das sind nur drei Beispiele für kommunale Lösungen gegen die Krise: Kommunaler Wohnungsbau, Schulsozialarbeit und regionale Wertschöpfungsketten. Sie sind Lösungen, die das Leben von Alteingesessenen und Gewanderten verbessern statt einen gegen den anderen auszuspielen.

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