Post in Winsen: Ist sie bald weg?

von Erhard Schäfer

Von Bürgern wurde ich vor wenigen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass der in Winsen gut bekannte Immobilienmakler Schröder offenbar vorhat, das Postgebäude an der Brahmsallee abzureißen, um an dieser Stelle Wohnungen zu bauen. Das ist überraschend, aber auch nicht unwahrscheinlich, ist doch Herr Schröder seit Jahren nicht nur als Makler, sondern auch als Investor in Winsen sehr aktiv.

Was geschieht aber dann mit der Post? Hier ist ja nicht nur der Schalterbetrieb für Briefe, Pakete und Postbankdienste, sondern auch das Verteilerzentrum mit den gelben Autos. Für Letzteres soll Herr Schröder angeblich schon einen neuen Platz gefunden haben. Der ist an der Kleinbahn zwischen OHE-Gelände und der Wohnbebauung im Bahneck. (Hier lagern zurzeit Container der Firma Bäsecke). Dort soll also ein Paketzentrum entstehen, von dem dann die gelben Autos an- und abfahren wie jetzt in der Brahmsallee.

Dieser Standort ist problematisch, weil die Autos die Gleise überqueren müssen, die jetzt noch unbeschrankt sind. Diese Überquerung ist aber auch jetzt schon ein Problem wegen des Verladebetriebs auf dem Gelände, der seit Inbetriebnahme des Asphaltwerks stark zugenommen hat. Die Anwohner beklagen sich seither über Lärm und Staub und haben deshalb eine Bürgerinitiative gebildet, die gegen die Umweltbelastungen durch den Verladeverkehr vorgeht. Nun sollen sie noch mehr Verkehrslärm ertragen. Die Straßen zwischen dem Gelände und der Lüneburger Straße sind als Anliegerstraßen für Durchgangsverkehr ungeeignet.

Wo sollen die Winsener künftig ihre Briefe und Pakete abliefern und wo sollen sie ihre Postbankgeschäfte erledigen, wenn die Post an der Brahmsallee dicht macht? Sollen sie über die Kleinbahngleise in die hintere Ecke des Geländes gehen, um ihre Pakete abzuschicken? Gibt es für die Briefe künftig nur noch Briefkästen und Briefmarken-Automaten oder bleibt den Bürgern sogar nur der elektronische Weg? Eine Stadt wie Winsen braucht einen Postschalterbetrieb mit allen dazu gehörenden Dienstleistungen wie sie jetzt in der Brahmsallee angeboten werden.

Wer daran etwas ändern will, muss die Öffentlichkeit informieren und beteiligen. Es ist ein Unding, dass Planungen zur Verlegung und vielleicht sogar Einschränkung der Postdienste unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorangetrieben werden und ich als Ratsherr nur durch Zufall davon erfahre.

Ich stellte deshalb im Planungsausschuss der Stadt, der am im Winsener Marstall tagte, die Frage, ob an den Planungen zur Schließung der Post an der Brahmsallee und der Verlagerung des Paketzentrums An der Kleinbahn etwas dran sei. Das räumte die Verwaltung ein, obwohl sie beim Tagesordnungspunkt davor, nämlich Unterrichtungen der Verwaltung, nichts zu berichten hatte. Die Verwaltung kennt also die Planungen der Firma Schröder. Seit wann?

Hier entsteht der Eindruck, dass Planungen im Zusammenspiel von privaten Investoren und Verwaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der von ihr gewählten Gremien so weit voran getrieben werden, bis vollendete Tatsachen entstehen, die den Ratsmitgliedern nur noch die Möglichkeit lassen, das Ganze abzunicken oder nein zu sagen. Zu Letzterem trauen sich erfahrungsgemäß nur wenige.

Von Vorhaben der Stadtplanung sind immer Bürger*innen in geringerem oder größerem Ausmaß betroffen. Sie gehören deshalb von Beginn an in die Öffentlichkeit und nicht erst dann, wenn schon alle Weichen in geheimer Absprache gestellt sind. Von der Post ist die ganze Stadt betroffen. Herr Schröder soll sich mit seinen Planungen der Öffentlichkeit und ihren gewählten Vertreter*innen stellen. Der nächste Planungsausschuss tagt am .

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