Kulturausschuss

Stadtrat: Anträge und Aktuelles aus den Ausschüssen

von Eike Harden.

Nach der langen Sommerpause begann mit der Sitzung des Umweltausschusses am wieder die Arbeit im Stadtrat und seinen Ausschüssen. Die GRÜNEN beteiligen sich daran mit 3 Anträgen für den Bauausschuss, die es allerdings zunächst noch auf die Tagesordnung schaffen müssen: Dabei geht es um

  • die Bereitstellung von 170 000 € für Baumaßnahmen zur Förderung des Radverkehrs,
  • die Fortschreibung und künftig regelmäßige Aktualisierung des bestehenden Radverkehrskonzepts, um das Radwegenetz besser planen zu können, und
  • die Präsentation einer Unfalltypensteckkarte, mit dem Ziel, bestehende Gefahrenstellen auf den Straßen gezielt zu entschärfen.

fand bereits die Sitzung des Planungsausschusses statt. Besondere Kritikpunkte unserer Fraktion waren dabei die beiden Bebauungspläne: „Norderbülte“ in Winsen, und „Winkelfeld“ in Bahlburg. Der Bahlburger Plan wurde vom Landkreis Harburg als nicht zulässig eingestuft, eine Zustimmung unsererseits hätten wir für rechtswidrig gehalten. Die Stadtverwaltung möchte nämlich im so genannten „beschleunigten Verfahren“ vorgehen, und somit auf die Ausweisung von Ausgleichsflächen und die Durchführung einer Umweltprüfung verzichten. Dies ist im Außenbereich allerdings nur bei einer reinen Wohnnutzung möglich und nicht, wie in Bahlburg geplant, auch für ein neues Feuerwehrgelände.

An der Norderbülte wurde ein extrem autofreundliches Konzept, das nach unserer Ansicht nicht zukunftsfähig ist, mit einer 2-stöckigen Kindertagesstätte kombiniert, ohne dass klar ist, wie diese Einrichtung funktionieren soll. Auch diesem Vorhaben konnten wir daher nicht zustimmen.

Die weiteren Termine der wichtigsten Gremiensitzungen und die interessantesten Tagesordnungspunkte:

  • , 18 Uhr, Marstall: Ausschuss für Kultur, Freizeit, Tourismus und Partnerschaften – Vorstellung des Gutachtens zu Hotelstandorten und touristisches Informationssystem,
  • , 18 Uhr, Borsteler Grund 30 (Schule): Ausschuss für Schulen und Kindertagesstätten – Planung der neuen Schulsporthalle am Ilmer Barg, Ganztagsschulkonzept für die Grundschule Pattensen,

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Förderung von Kulturprojekten: Winsen verpasst Anschluss

von Eike Harden

Das Land Niedersachsen hat ein neues Förderprogramm für Kulturprojekte und Kulturträger aufgelegt, das speziell auf „kleine“ Träger ausgelegt sein soll. Unten folgt die Pressemeldung von unserem kulturpolitischen Sprecher im Landtag, Volker Bajus. Leider wird Winsen sich nicht einmal bemühen können, aus diesem Topf gefördert zu werden, da unseren örtlichen Trägern die Kapazitäten fehlen, sich darum zu bewerben.

Dieses Programm übernimmt Kosten für kleinere Anschaffungen, die sonst von der Stadt erbettelt werden müssen – ein zäher und langsamer Prozess im Ausschuss – oder die aus privaten Spenden aufgebracht werden müssten. Dringend notwendig wäre es daher, dass die Stadt endlich einen Kulturförderer anstellte, der unter anderem folgende Aufgaben hätte:

  • Die in Winsen bereits tätigen Kulturschaffenden unterstützen, wenn sie sich um Fördermittel aus der öffentlichen Hand oder von privat (beispielsweise Stiftungen) bewerben. Das würde auch den etablierten Vereinen wie Musikschule, Kulturverein, Heimat- und Museumsverein, Theaterabteilungen der Sportvereine … konkret helfen. Regelmäßig müssten dazu Treffen stattfinden, bei denen mögliche Förderungen und bereits bestehende Initiativen und Programme abgeglichen werden, um das Bewährte weiterzuentwickeln und neue Ideen entstehen zu lassen.
  • Die in Winsen und Umgebung bereits tätigen Kulturschaffenden, die nicht in Vereinen organisiert sind, stärker miteinander zu vernetzen und „Kultur-Cluster“ zu schaffen. Hier geht es etwa um gemeinsame Konzerte von Nachwuchsbands, gemeinsame Kunstausstellungen verschiedener Künstler oder Cross-over-Veranstaltungen zwischen ganz verschiedenen Kulturangeboten, gebündelt an innovativen Orten, die es zu beleben gilt.
  • Besonders wünschenswert in diesem Rahmen wäre eine gezielte Jugendarbeit in enger Absprache mit der Stadtjugendpflege. Kunst und Kultur sind beispielsweise längst als exquisite Suchtprävention erkannt!

Gegenwärtig sind wir in Winsen leider noch meilenweit davon entfernt.

Investitionsprogramm hilft Kulturschaffenden konkret

Pressemeldung vom

Darum geht's

2017 und 2018 sollen kleine Kultureinrichtungen landesweit mit jeweils 850 000 € gefördert werden.

Das sagen die GRÜNEN

Volker Bajus:

Gerade kleine Kultureinrichtungen haben es häufig schwer, Investitionen zu stemmen. Da auf kommunaler Ebene die Mittel meist eng begrenzt sind, setzt das Förderprogramm genau hier an. Denn gerade die vielen kleinen Initiativen und Träger sorgen für eine gute Versorgung mit bunten und vielfältigen Angeboten. Genau das braucht das Flächenland Niedersachsen.

Keine Initiative soll daran scheitern, dass sie das Geld für eine Mikroanlage, eine Rollstuhl-Rampe oder für einen neuen Computer nicht aufbringen kann. Kunst und Kultur befördern den gesellschaftlichen Austausch und machen neue Sichtweisen möglich. Das ist gerade in Zeiten wichtig, in denen sich viel verändert.

Hintergrund

Das Programm ist Teil eines 3 Millionen schweren Investitionspaketes, das zum einen Förderungen für einzelne Sparten wie die Soziokultur, die freien Theater und die Rock- und Popmusik vorsieht. Daneben stehen rund 1,7 Millionen Euro der Gesamtsumme jetzt allen kleinen Kulturträgern im Land zur Verfügung. Damit kommt die Grüne Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić den Forderungen aus den Reihen der Landschafts- und der Kulturfachverbände nach, die sich Investitionshilfen gerade für die kleinen Einrichtungen gewünscht haben.

Link zu weiteren Infos auf der Website des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

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Antrag: Vom tapferen Schneiderlein lernen – Synergieeffekte nutzen!

von Eike Harden.

Unsere GRÜNEN-Fraktion im Stadtrat wird demnächst folgenden Antrag stellen:

Antrag

Der Planungsausschuss, der Bau- und Verkehrsausschuss, der Ausschuss für Kultur, Tourismus, Freizeit und Städtepartnerschaften empfehlen, der Verwaltungsausschuss empfiehlt, der Rat der Stadt Winsen (Luhe) beschließt:

Die Stadt Winsen (Luhe) nimmt zeitnah mit den Firmen Gazeley und Amazon Gespräche auf mit dem Ziel, das von Amazon als Lager zu betreibende Gebäude im Gewerbepark Luhdorf um mehrere Etagen aufzustocken, die dann wiederum von der Stadt Winsen (Luhe) oder Dritten für ihre Zwecke zurückgemietet werden.

Begründung

Aktuell sind in Winsen mehrere Bauvorhaben angedacht oder geplant, deren komplette Realisierung die Stadt viele Grünflächen kosten könnte. Dabei sind besonders zu nennen: Kongresszentrum und Vier-Sterne-Hotel, Neubeplanung des Eckermannparks (mit Wohnmobilstellplätzen?), Erschließung und Überplanung der noch recht grünen Gelände um die Bleiche und das ehemalige Turnhallengelände sowie der Neubau eines Jugendzentrums am Luhespielplatz und – das merken wir selbstkritisch an – auch eine Jugendherberge würde Platz brauchen. An möglicherweise nutzbaren Gebäuden der Stadt stehen diesem Bedarf im Augenblick nur die Stadthalle und der Marstall entgegen.

Wir GRÜNE kritisieren allgemein den Flächenverbrauch – das gilt natürlich auch für Winsen selbst. Eine Aufstockung eines bereits bestehenden Gebäudes benötigt hingegen keine zusätzliche Grundfläche, so dass diese Lösung vorzuziehen wäre. Darüberhinaus ist das Gebäude bereits so groß, dass ohnehin niemand in der Umgebung daran vorbeischauen kann, eine weitere Aufstockung würde das Landschaftsbild daher nicht weiter schädigen. Angesichts möglicher Probleme mit der Statik schlagen wir vor, an den Ecken und einigen Kanten des Gebäudes zusätzliche Pfeiler oder Säulen einzuziehen, die so geplant sind, dass ihre Spitzen über das Gebäudedach hinausragen und daran Windräder angebracht werden können. Zusätzliche Halteseile zwischen diesen Säulen können die Dachflächen stabilisieren – die Einzelheiten bleiben einer künftigen Planung überlassen.

Das Gebäude bietet sich aufgrund seiner räumlichen Nähe zum Golfplatz als Standort des künftigen Vier-Sterne-Hotels an und würde vom Ausblick aus einem deutlich mehr als 30 Meter hoch gelegenen Dachgarten erheblich profitieren und damit zusätzliche Touristen anziehen. Die nördliche Hälfte des Dachs böte sich hingegen zur Nutzung als Jugendzentrum an: Der Ausblick dort geht ohnehin nur auf die Bundesautobahn mit der Ordnungsnummer 39. In den dazwischen liegenden neuen Geschossen könnte das Vier-Sterne-Hotel einen Veranstaltungssaal mit betreiben, der die Stadthalle ersetzen würde. Amazon und die Stadt könnten schließlich eine neue Stadtbuslinie gemeinsam finanzieren und betreiben, die den Bahnhof und den neuen Zentralen Omnibusbahnhof am selben Standort mit diesem Hotelstandort verbindet.

Dieses Vorhaben ist auch nicht als eine von den GRÜNEN abgelehnte Öffentlich-Private Partnerschaft aufzufassen, weil die Stadt selbst keinerlei Verpflichtungen einginge – sie bräuchte nur die Baugenehmigung zu erteilen. Die Miete für den Veranstaltungssaal und die Pacht für den halben Dachgarten dürften geringer sein als die derzeitigen Ausgaben für das Stadthallengelände. Die Stadt würde sogar sparen: Das Catering für alle städtischen Veranstaltungen könnte Amazon übernehmen, die ja auch Lebensmittel ausliefern – im eigenen Gebäude sicherlich sogar kostenlos. Auch könnte man die Aufwandsentschädigungen für Ratsmitglieder reduzieren und stattdessen eine Fahrt mit einem Sonderbus organisieren, der alle Ratsmitglieder abholt (die Hälfte vermutlich vom Bahnhof) und ins Gewerbegebiet Luhdorf fährt.

Einer der größten Vorteile dieser Lösung wäre jedoch: Man könnte die jetzige Stadthalle künftig als soziale Begegnungsstätte und Gebäude der Stadtbibliothek nutzen oder die Jugendherberge dort ansiedeln. Die Bleiche bräuchte nicht angerührt zu werden und der Eckermannpark könnte der Natur zurückgegeben werden. Das innenstadtnah gelegene Gelände um das Rot-Kreuz-Gebäude schließlich könnte mit hochwertigem Wohnraum für jüngere, wohlhabende Familien bebaut werden – mit ausreichend großen Wohnungen und modernen Spielgelegenheiten – der in dieser etwas abgehängten Gegend das soziale Gefüge wieder etwas ins Lot rücken würde.

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Jugendherberge für Winsen: Antrag im Kulturausschuss

von Eike Harden.

Für die Sitzung des Kulturausschusses am habe ich den folgenden Antrag für die Gruppe GRÜNE/Linke gestellt:

Tourismus in der Familienstadt fördern! – Errichtung einer Jugendherberge in Winsen prüfen

Hiermit beantragen wir, dass die Stadt Winsen (Luhe) prüfen lässt, welche Möglichkeiten die Stadt hat, die Ansiedlung einer Jugendherberge zu fördern. Dabei ist insbesondere daran zu denken, die Voraussetzungen für Schwerpunkt-Profile zu schaffen, und zwar:

  • Prädikate „Familien|Jugendherberge“,
  • „Graslöwen|Jugendherberge“ und „Umwelt|Jugendherberge“,
  • „FitDrauf|Jugendherberge“ und „Sport|Jugendherberge“,
  • „Kultur|Jugendherberge“, sowie
  • „Kanufahren“ und
  • „Soziales Lernen“

Begründung

Jugendherbergen liegen allgemein im Trend; die Einrichtungen in Lauenburg (dort gibt es sogar zwei) und Bispingen scheinen gut zu laufen. In Geesthacht allerdings ist die Jugendherberge als Flüchtlingsunterkunft umgenutzt und bis auf Weiteres für Gäste geschlossen. Trotzdem (oder gerade deswegen) dürfte in Winsen Potenzial für eine Jugendherberge vorhanden sein, nachdem ein größerer Beherbergungsbetrieb weggefallen ist.

Ziel des Antrags ist in erster Linie ein Diskussionsanstoß, so dass im Ausschuss und weiteren Gremien geprüft wird, ob damit Synergieeffekte mit anderen Zukunftsplänen oder Schwerpunkten der Stadt zu erzielen sind. Dabei könnte sich z. B. ergeben, dass die „Erlebbarkeit der Wasserlagen“, die im Rahmen von „Winsen 2030“ einen der Schwerpunkte der Stadtentwicklung bilden soll, sich etwa gut mit einer „Kanu-Jugendherberge“ ergänzt und diese wiederum mit dem örtlichen Kanusportangebot.

Hintergrund

Jugendherbergen sind besonders familienfreundliche Beherbergungsbetriebe, weshalb der Deutsche Jugendherbergsverband auch mit dem „Fair Family“-Gütesiegel des Verbands kinderreicher Familien Deutschland e. V. (VkFD) ausgezeichnet wurde. Die Ansiedlung eines solchen Betriebs würde unseres Erachtens der „Familienstadt“ Winsen (Luhe) gut zu Gesicht stehen.

Jugendherbergen bieten zudem relativ kostengünstige Übernachtungen und eine günstige Anreise mit der Bahn an und sind auch für internationale Gruppen oft gut geeignet. Eine Jugendherberge erscheint daher zur Förderung der Städtepartnerschaften und ihrer Verankerung in den Köpfen insbesondere Jugendlicher als besonders geeignet.

Jugendherbergen mit besonderen Prädikaten müssen z. B. Angebote und Räumlichkeiten vorhalten, die womöglich auch für weitere städtische Zwecke interessant sein könnten. Neben den bereits genannten kann es sich dabei auch um kulturelle Zwecke handeln.

In der Regel sind die Landesverbände Eigentümer der Jugendherbergen, eine Kooperation mit lokalen kulturellen, sportlichen und sozialen Einrichtungen ist ausdrücklich erwünscht. Es gibt jedoch auch andere Modelle wie eine kommunale Trägerschaft.

Wahlprogramm

Wir GRÜNE beginnen damit auch, eine Forderung aus unserem Wahlprogramm umzusetzen:

Tourismus und Gastronomie sollen als wirtschaftliche Säulen Winsens gestärkt werden. Wir GRÜNE fordern Verbesserungen für den naturnahen und Fahrrad-Tourismus, u. a. am Luhewander- und -radweg. Ein städtischer Wohnmobilstellplatz und die Einrichtung einer Jugendherberge in Winsen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Die Abtragung des Stöckter Deiches, der ein wichtiges Naherholungs- und Touristenziel und kulturgeschichtlich wertvoll ist, lehnen wir ab.

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Landtag ändert Spielregeln für Kommunen

von Eike Harden.

In der gerade zu Ende gegangenen Plenarwoche hat der niedersächsische Landtag auch einige Änderungen am Kommunalabgabengesetz beschlossen. Wie unser zuständiger Sprecher Belit Onay in seiner Rede erklärte:

Wir verpflichten die Kommunen nicht zu diesen Regelungen, sondern wir eröffnen hier eine neue Option. Mehr geht, nichts muss!

Besonders hervorzuheben sind 3 Änderungen:

  • Das Widerspruchsverfahren wird als Option wieder eingeführt,
  • die Stadt erhält die Möglichkeit, einen Tourismusbeitrag zu erheben und
  • die Straßenausbaubeiträge wurden neu geregelt.

Wir werden alle 3 Änderungen in der Fraktion diskutieren, doch ich denke, dass die GRÜNEN in Winsen die Straßenausbaubeiträge nicht wieder einführen wollen – schließlich hat die Stadt sie erst vor wenigen Jahren abgeschafft – und auch kein Tourismusbeitrag erhoben werden soll. Schließlich nutzt Winsen womöglich sein touristisches Potenzial nicht voll aus oder es ist gar keines vorhanden – je nachdem, wie man die Schließung des Hotels „Zum Storchennest“ deuten möchte.

Anders könnte der Fall beim Widerspruchsverfahren liegen. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte es einst abgeschafft und somit bewirkt, dass Bürger*innen und Firmen gegen Behördenentscheidungen nur dann vorgehen konnten, wenn sie gleich vor Gericht zogen. Jetzt ist wiederum die Möglichkeit eingeräumt, einen Widerspruch bei der Behörde einzulegen, so dass der Fall dort noch einmal geprüft wird. Es könnte durchaus sein, dass ein Widerspruch in vielen Fällen sowohl für die Bürger*innen und Firmen als auch für die Stadtverwaltung die angenehmere Möglichkeit ist – das werden wir prüfen müssen.

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Hand in Hand gegen Rassismus

von Eike Harden

Foto des Vorstandsmitglieds Eike Harden

Der war ziemlich kalt. Trotzdem hatten sich auf dem Winsener Schlossplatz erstaunlich viele Menschen eingefunden, die gemeinsam ein Zeichen gegen den Rassismus setzen wollten. Weil ich nicht einmal einen Notizzettel hätte festhalten können, habe ich nur eine sehr kurze Ansprache gehalten. Hier nun die

Rede, die ich an einem warmen Tag gehalten hätte

In der Einladung zu dieser Veranstaltung wurde auf brennende Wohnungen hingewiesen. Wenn Asylbewerberheime brennen, kommen sogar 2 Dinge zusammen, die ich strikt ablehne: Gewalt und Rassismus. Es ist eine großartige zivilisatorische Leistung, dass wir in Deutschland Konflikte fast immer ohne körperliche Gewalt beilegen. Das war nicht immer so, aber das muss so bleiben. Es passt damit übrigens nicht zusammen, dass Deutschland einer der größten Waffenexporteure der Welt ist. Das muss aufhören! Denn die Waffenlieferungen sind eine wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Anerkennung von Gewalttätern und Gewaltherrschern. Diese aber bescheren uns überhaupt erst viele Flüchtlinge.
Damit komme ich zum Thema „Rassismus“. Ich möchte nicht, dass Menschen als Flüchtlinge in Deutschland leben; vielmehr sollen Menschen hier leben, weil sie gerne hier leben wollen. Dann ist es mir persönlich völlig einerlei, wo ihre Vorfahren vor mehreren Jahrhunderten oder auch Jahrzehnten gelebt haben, welche Farbe ihre Haut hat oder in welcher Sprache ihre Mütter sie in den Schlaf gesungen haben. In unserer Gesellschaft darf niemand ausgegrenzt werden, weil er Eigenschaften hat, für die er nichts kann. Genau das haben Rassisten aber im Sinn: An Menschen Eigenschaften zu finden, die sie nicht ändern können, um sie dann ein für allemal ausgrenzen zu können. Dazu brauchen sie nicht einmal unbedingt die „Rasse“ heranzuziehen, heute ist die „Kultur“ ein genauso mächtiges Konstrukt des Rassismus, ein „Rassismus ohne Rasse“.
Wir müssen aufhorchen, wenn gesagt wird, eine ganze Gruppe von Menschen „passt nicht nach Deutschland“. Wer immer das sagt, möchte ausgrenzen. Er erfindet dann etwas, das als Beleg dafür dienen soll, dass diese Gruppe anders ist, und das irgendwelche negativen Folgen habe. Heute läuft das oft so, dass mancher argumentiert, „die islamische Kultur“ verlange, dass Frauen schlecht behandelt würden und weil der gemeine Muslim einfach so geprägt sei, könne er nichts daran ändern und müsse unter seinesgleichen bleiben. Der Unterschied zu der Argumentation, eine dunkle Hautpigmentierung führe wegen der schlechten Anpassung an das nordeuropäische Regenwetter dazu, dass afrikanische Seeleute dümmer seien als deutsche, und weil man das ja nicht verantworten könne, solle der Afrikaner gefälligst in Afrika bleiben – der Unterschied zwischen diesen beiden ist nur, dass die zweite Argumentation dem klassischen Bild vom Rassismus entspricht, die erste nicht. Struktur und Funktion sind aber völlig gleich. Was also tun? Wir müssen immer den einzelnen Menschen betrachten und ihn für das verantwortlich machen, was er oder sie durch seine Handlungen zu verantworten hat. Ein Beispiel dafür könnte sein, wieder jeden Asylantrag einzeln zu prüfen, denn er ist ein individuelles Recht jedes Einzelnen.
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch einmal auf die Krise eingehen, in die die Bundesregierung Deutschland manövriert hat. Für den Bürgerkrieg in Syrien kann Angela Merkel zwar nichts, aber schon die Tatsache, dass die Regierung nicht versucht hat, die Flüchtlinge zu erfassen und mit Flüchtlingsausweisen auszustatten, ist ein großes Versäumnis gewesen. Noch viel wichtiger sind aber die Maßnahmen zur Integration auf kommunaler Ebene. Für die fehlt Geld. Mehr Menschen in einer Gemeinde brauchen auch mehr Wohnraum. In den Ballungsgebieten sind Wohnungen knapp, daher muss hier kommunal und sozial neuer Wohnraum geschaffen werden, damit die Mieten und Kaufpreise nicht weiter durch die Decke gehen. In den Kitas und den Schulen sind mehr junge Leute, die ausgebildet werden müssen. Deshalb müssen gerade die Grundschulen mit zusätzlichen Kräften ausgestattet werden, was langfristig zusätzliche Lehrkräfte bedeutet, kurzfristig aber durch Schulsozialarbeiter abgefedert werden muss. Zudem erlauben Ganztagsschulen, Fortbildungen für die Eltern auf den Nachmittag zu legen, was die Integration vereinfachen dürfte. Junge Erwachsene brauchen Arbeit, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, aber auch in Deutschland ist die Jugendarbeitslosigkeit immer noch skandalös hoch – vom Rest Europas ganz zu schweigen. Wir haben das einfach nur vergessen. Was gegen Jugendarbeitslosigkeit jedoch ganz bestimmt nicht hilft, sind weitere Förderungen für die Lagerwirtschaft (beschönigend „Logistik“ genannt), in der Osteuropäer zu osteuropäischen Mindestlöhnen damit beschäftigt werden, alle möglichen Produkte aus maschineller Großproduktion unglaublich weit zu transportieren. Etwas weniger große Produktionsanlagen für den regionalen Bedarf wären sicherlich immer noch profitabel, würden aber mehr und besser in der Fläche verteilte Arbeitsplätze anbieten. Das sind nur drei Beispiele für kommunale Lösungen gegen die Krise: Kommunaler Wohnungsbau, Schulsozialarbeit und regionale Wertschöpfungsketten. Sie sind Lösungen, die das Leben von Alteingesessenen und Gewanderten verbessern statt einen gegen den anderen auszuspielen.

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GRÜNE unterstützen Hamburgs Olympia-Bewerbung

Am haben alle niedersächsischen Landtagsfraktionen beschlossen: Wir unterstützen Hamburgs Olympia-Bewerbung. Anja Piel erläutert:

Wir GRÜNE können uns für eine Olympia-Bewerbung Hamburgs begeistern, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Und der sportpolitische Sprecher Belit Onay ergänzt: Das heißt konkret: umwelt- und stadtverträgliche, innovative und nachhaltige Spiele mit einer möglichst großen Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Meinung: Wie hilft das Winsen?

von Eike Harden
Es ist bezeichnend für die Schwierigkeiten, die der Föderalismus (die „Kleinstaaterei“) Deutschland bereiten kann, dass Niedersachsens Landtag einen Beschluss zur Hamburger Olympia-Bewerbung fassen musste – ungefähr ein Jahr, nachdem die Hamburger Bürgerschaft die Bewerbung beschlossen hat. Bei den Konkurrenten ist die Unterstützung des unmittelbaren Umlands von vornherein gesichert: Roms Bewerbung ist eine Bewerbung der Provinz Lazio, Bostons eine von Massachusetts. Im Landkreis Harburg sehen manche noch immer ein Problem darin, wenn Bürger, die in Hamburg arbeiten, gelegentlich dort auch Besorgungen des Grundbedarfs erledigen, wie z. B. Gemüse einkaufen.
Ich möchte aber lieber auf die Chancen sehen als auf die Probleme und Risiken. Dazu bietet sich ein Vergleich mit Boston und seiner Metropolregion an. Wie steht es dort mit der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Sportpolitik? Wie ist es um die Nachhaltigkeit der Sportstättennutzung bestellt? Wie innovativ und nachhaltig ist die Metropolregion als Ganzes und was ist mit dem Öffentlichen Personennahverkehr? Wie gut kann man in Boston Rad fahren und zu Fuß gehen (das sind ja die sportlichen Varianten des Straßenverkehrs)?

Eine Top-Sport-Stadt

Eine Auswertung einer amerikanischen Zeitschrift hat ergeben, dass Boston zu den 5 attraktivsten Sport-Städten in den USA gehört. Sport spielt im Alltag eine große Rolle und oft gehen sogar hunderte Zuschauer zu Spielen von erfolglosen Amateurmannschaften, unterhalten sich in der Kneipe darüber und können sogar in Radiosendungen Live-Berichte davon verfolgen. Die Journalisten werteten außerdem aus, wie viele Besucher zu Profi-Sportveranstaltungen gehen, aber auch eher Abseitiges wie die Dichte der Sportkneipen: In manchen Städten gibt es sogar 20 Sportkneipen auf 100000 Einwohner.
Auf Winsen umgerechnet wären das 7 Sportkneipen in unserer Stadt. Böse Zungen könnten behaupten, es gäbe nicht einmal 7 Kneipen hier, aber das ist ungerecht: Die örtliche Gastronomie ist zum Teil gut auf Gäste eingerichtet, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Das sind Anfänge einer Unterstützung des umweltfreundlichen Breitensports. Sicherlich wären sie dankbar, wenn Winsen konsequent solche Ansätze unterstützte und das Angebot ausbaute: Wirtschaftsförderung einmal anders.

Ohne Auto zum Sport – Bio-Snacks beim Sport

Der Journalist Reuben Fischer-Baum hat sich durch den statistischen Dschungel des Öffentlichen Personennahverkehrs gekämpft und konnte am Ende feststellen, dass Boston zum oberen Drittel der meistgenutzten Bus- und Bahnsysteme in den USA gehört – obwohl es zugleich ein Paradies für Radfahrer und Fußgänger ist.
Geradezu kurios klingen aber die Vorschläge von Bürgermeister Menino: Bostons Baseball-Stadion soll von Solarzellen, das Rathaus gar von einem 150m hohen Windrad auf dem Rathausplatz mit Energie versorgt werden. Die bedeutendste Messe der Stadt stellt umweltfreundliche Transportmittel aus und die Sportfans sollen in Zukunft statt Hot Dogs und Donuts lokal angebautes Bio-Gemüse im Stadion kaufen können. Man stelle sich das einmal vor: als würde Winsener Bio-Grünkohl bei HSV-Heimspielen verkauft.

Paradies für Radfahrer und Fußgänger

Die amerikanische Bike League entspricht in etwa unserem ADFC. Sie vergibt Plaketten in Bronze, Silber, Gold, Platin und Diamant für fahrradfreundliche Kommunen, Unternehmen, Universitäten und Bundesstaaten. Aktuell erreicht keine Kommune den höchsten, den Diamant-Standard. Boston erreicht Silber und die benachbarte Universitätsstadt Cambridge sogar Gold. Winsen würde vermutlich schon an Bronze scheitern, weil die Stadt z. B. mindestens eine halbe Stelle in der Verwaltung nur für die Verbesserung des Radverkehrs aufweisen müsste oder eine als „gut“ eingestufte Schnittstelle von Fahrrad und Bahn. Das letztere könnte man ändern, wenn man ein vernünftiges Fahrradparkhaus am Bahnhof baute.
Noch interessanter wird es schließlich, wenn man sich ansieht, wo in den USA man am besten zu Fuß gehen kann: Cambridge gewinnt und Boston wird 5. (Untersuchung der Zeitschrift „Prevention“). Das ist so, weil die Städte politisch etwas für Fußgänger tun, z. B. Fußgänger-Schnitzeljagden veranstalten, aber auch Touristen zu Fuß durch die Stadt schicken oder durch geschickte Planung dafür sorgen, dass alltägliche Besorgungen zu Fuß ganz in der Nähe erledigt werden können. Das ergänzt sich hervorragend mit einem guten Öffentlichen Personennahverkehr.

GRÜNE Olympia-Begeisterung

Es gibt also viele Ideen, wie man eine Stadt innovativ nachhaltiger machen könnte – das meiste davon sogar ganz ohne Olympia. Aber wenn Hamburg und die Metropolregion in einen Konkurrenzkampf mit Boston um die nachhaltigeren Spiele eintreten müsste, würde sich hier Einiges tun. Wenn es denn so ist, dass Olympia (und nur Olympia) die Politiker der anderen Parteien dazu bringen kann, auch umwelt- und stadtverträgliche Politik zu machen, die Situation für den Breitensport zu verbessern, sanften Tourismus zu fördern, Fußgänger und Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer zu sehen – wenn das so ist, dann kann ich nur sagen: Her mit Olympia.

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